Newsletter 1/2004
Newsletter-Archiv
Liebe Leserinnen und Leser, 

das Jahr 2004 hat begonnen, hoffentlich erfolgreich für Sie. Und eswird auch in diesem Jahr wieder so sein, wie in allen Jahren zuvor: Wir werden Fehler machen. Und wenn wir Glück haben, wird irgendjemand uns trösten "Mach Dir nichts draus, aus Fehlern lernt man!". Doch stimmt das eigentlich? Lernen wir wirklich aus Fehlern? Mehr dazu lesen Sie weiter untemimSchwerpunkt dieses Newsletters. 

1. Aus Fehlern lernt man (nicht) !
2. Neues auf der Seite www.uwestrass.de
 

1. Nur aus Fehlern lernt man (nicht!)
„Nur aus Fehlern lernt man!“ Fragt sich nur was – der wesentliche Teil dieser in eine Volksweisheit gegossene Philosophie fehlt, nämlich was man lernt. Hinter diesem Motto steckt die Idee, dass eine fundierte Problem- und Defizitanalyse (eben die Beschäftigung mit Fehlern) den Weg zu einer Problemlösung ebnet. Beim Arzt heißt das Diagnose und Behandlungsplan. Als Ziel gilt eine Orientierung an der Negation eines Zustandes, z.B. nicht krank sein, nicht mehr rauchen, nicht mehr aggressiv zu sein, mich nicht mehr mit meinem Chef streiten, keine Fehler mehr zu machen.
Es wird dabei unterstellt dass es zwischen Problem und Lösung einen Zusammenhang gibt. Die Absicht mich nicht mehr mit meinem Chef streiten zu wollen, führt aber selten zu einer Problemlösung. Auch die Analyse der Faktoren, die das Streiten befördern bringt keine automatische Verhaltensänderung mit sich – maximal eine zeitweise Kontrolle des Verhaltens, in der Regel ein Aufstauen von Wut, die dann irgendwann umso heftiger ausbricht. Denn die entscheidende Frage wird durch eine Problemanalyse nicht beantwortet: Was will ich statt dessen mit meinem Chef tun? Statt dessen bewirkt die Orientierung an der Negation einer Verhaltensweise oft das  Gegenteil. Wer den ganzen Tag denkt, er will nicht mehr mit seinem Chef streiten, denkt eben den ganzen Tag an den Streit mit seinem Chef. Außerdem werden die Emotionen und Phantasien, die ein Problem begleiten, aktiviert. Das können Sie besonders dann beobachten, wenn jemand sein Problem (seine Fehler) beschreibt. Je detaillierter die Beschreibung z.B. der Streits mit dem Chef oder je genauer das Nachfragen, desto tiefer hängen die Schultern und Mundwinkel. Sozusagen verfällt man mit der Problembeschreibung bzw. Problemanalyse leicht in eine Problemtrance. Meine eigene persönliche Erfahrung aber ist, je mehr ich mich in Problemtrance geredet habe, desto schwerer fiel es mir, meine Situation anzugehen und zufriedenstellende Lösungen zu finden. 
Fazit: Aus Fehlern lernt man eigentlich nur unwesentliche Dinge und bringt sich nicht in eine für die Problemlösung förderliche Stimmung. Maximallernt man was man falsch gemacht hat aber eben nicht, wie man es hätte richtig machen können.
Aus Lösungen lernt man! - das wäre die entsprechende Alternative. Aber Vorsicht: auch diese Weisheit ist schwer verdaulich und bedarf vieler Mühe. Im Gegensatz zur Problemanalyse stehen nun Fragen, die einen Lösungsprozess einleiten sollen im Vordergrund. Wann streite ich nicht mit meinem Chef? Wie mache ich das „nicht streiten“? Was mache ich statt dessen mit ihm? Es ist die Frage nach den Ausnahmesituationen, den Situationen, in denen das Problem abwesend ist. Ein ungewohnter Blickwinkel. Die Lösung wird vom Problem entkoppelt. Der Fokus richtet sich jetzt auf für mich funktionierende  Situationen, auf meine eigenen Ressourcen,  auf bereits stattgefundene Lösungen. Dies aktiviert ganz andere eher förderliche Stimmungen für Veränderungsprozesse (Lösungstrance). Auch der Blick in die Zukunft kann hilfreich sein. Statt das zu tun, was der Betroffene schon tausendmal gemacht hat, zu fragen „Wie kann ich das Problem überwinden?“ kann man Problem und Lösung auch durch die Wunderfrage entkoppeln: Nehmen wir an eine Fee hätte das Problem über Nacht weg gezaubert, woran würde der Betroffene das merken, was wäre anders, was würde er empfinden, was würde er dann tun? Statt einer detaillierten Problemanalyse folgt hier eine detaillierte Lösungsbilderforschung. Es sollte ein möglichst konkretes und an Verhaltensweisen orientiertes Bild von der Situation nach dem Problem entworfen werden. Was also tue ich, wenn ich mich nicht mit meinem Chef streite? Dabei geht es nicht um die eine Lösung, wie das eine Lösungswort eines Kreuzworträtsels. Es geht darum, seine eigenen Ressourcen wieder zu spüren, wieder Mut zu fassen, eigene Lösungen zu denken, zu konstruieren. So ist mit dem Begriff „Lösung“ auch mehr das (langsame) Auflösen und nicht das explosionsartige Wegsprengen von Hindernissen gemeint, auch wenn wir oft eher auf den Befreiungsschlag warten bzw. hinarbeiten.

2. Neues auf der Webseite www.uwestrass.de

Was ist der Unterschied zwischen Himme und Hölle und warum wir zum Lösen von Problemen bzw. Aufgaben aufeinander angewiesen sind, lesen Sie in der Geschichte Über Himmel und Hölle, Hunger und Leben.
www.uwestrass.de/prof-gesch.html

Eine umfassende Linksammlung zum Thema Existenzgründung, Existenzgründungszuschuß und ICH AG finden Sie unter:
www.uwestrass.de/exgruend/links-exgruend.html

 

Ich wünsche Ihnen eine spannende Zeit 

Uwe Straß
 

 


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