Newsletter 12/2004
Newsletter-Archiv

"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung verändern kann"

"Nicht die Dinge selbst beunruhigen den Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen" Eptiket

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Nutzen Sie Tele- und Weitwinkelobjektive in der Beratung bzw. im Gespräch !

Immer wieder werden wir entweder mit komplexen Erzählungen, die sich in Details und immer weiteren Aspekten verlieren konfrontiert, oder mit Erzählungen, die man angesichts der Reduktion auf einen Aspekt, eine eindeutige Erklärung als einsilbig bezeichnen kann.
Komplexe Erzählweisen verführen leicht dazu, den Überblick zu verlieren, man fragt sich permanent, um was es eigentlich geht. Kaum glaubt man verstanden zu haben, was das Thema, die Frage ist, wird man durch weitere Details verwirrt. Einsilbige Erzählweisen nehmen einen leicht gefangen in der Eindeutigkeit der Schilderung, der begleitenden Emotion, der Zwangsläufigkeit von Abläufen und Schlussfolgerungen.
Hilfreich, übrigens wie bei jedem Versuch Wirklichkeit abzubilden, ist der Einsatz geeigneter Objektive. Wenn Sie selbst stolze/r Besitzer/in einer Kamera mit Zoom sind, dann wissen Sie es sicherlich zu schätzen, Details mit Hilfe eines Telezooms herauszuarbeiten oder Strukturen einer Landschaft durch Weitwinkelaufnahmen abzubilden.
Verweilen wir kurz bei den technischen Details, die sehr wohl in Abbildungsprozessen über die Qualität und damit die Relevanz eines Bildes entscheiden.
Mit einem Teleobjektiv arbeiten Sie aus einer Fülle von Details eines heraus. Der Hintergrund verblasst, wirkt verschwommen und das fokussierte Detail hebt sich ab, stellt sich in den Vordergrund. Dabei wird etwas herangezoomt, scharf gestellt, was bisher nicht so im Fokus stand, aber vorhanden war. Es sind oft diese Nahaufnahmen, die Stimmungen, Emotionen erzeugen, die Komplexität einer Landschaft auf einen Punkt reduzieren und so eindeutige Positionierungen erlauben.
Weitwinkelobjektive dagegen nehmen den Zoom heraus, verlassen die Fokussierung auf ein Detail und erlauben den Überblick. Sie lassen in der Weite Strukturen, Ordnungen erkennen. Dabei werden nicht selten Emotionen und Stimmungen relativiert, weil die Vielschichtigkeit sichtbar wird. Mehrere unterschiedliche Emotionen, die sich aus der Fokussierung ergaben, stehen plötzlich nebeneinander, integriert in einem Bild. Die Eindeutigkeit löst sich auf in der Vieldeutigkeit.
So wird vielleicht plötzlich sichtbar, dass das hellgrün schillernde Blatt eines Baumes, das Blatt des einzigen Baumes in einer Industrielandschaft ist. Oder dass die Skyline einer großen Stadt, in der die Details unterzugehen drohen, eben auch interesante bunte und unterschiedliche Details bietet, wenn man darauf fokussiert.
Bilder sind also nichts als unterschiedliche Fokussierungen und Erzählweisen.
Daher kann es sinnvoll sein, in einem Gespräch transparent zu machen, dass gerade ein Weitwinkelobjektiv im Einsatz ist und dass dies zur Folge hat, dass vielleicht wichtige Details verloren gehen. Die Fokussierung auf bestimmte Details wiederum kann verhindern, größere Zusammenhäbge zu erkennen und dadurch Orientierung zu finden. Manchmal kann es sinnvoll sein, ganz bewusst das gegenteilige Objektiv zum Einsatz zu bringen, um Unterschiede in der Abbildung zu produzieren.
Doch wer entscheidet über den Einsatz von Weitwinkel- oder Teleobjektiven? Natürlich der, der abbildet, der photografiert - heißt, der der erzählt. In Beratungs- und anderen Gesprächen, kann es deshalb sinnvoll sein, überhaupt die Möglichkeit andere Objektive bzw. Fokussierungen  zu verwenden, einzuführen.Probeweise sozusagen den permanenten Einsatz des Weitwinkels zu unterlassen und mit Hilfe eines Zooms auf ein Detail zu fokussieren. Meine Erfahrung ist, dass viele dankbar sind (ich inklusive), wenn der/die Gesprächspartner/in so erlaubt, sich von der gleichen Landschaft andere Bilder zu machen.
Lassen Sie mich zum Schluss den Vorteil der Objektiv-Metapher beschreiben: Wir müssen nicht um die eine Wirklichkeit streiten (die es so gar nicht gibt). Vielmehr probieren wir neue Abbildungen aus. Neue Bilder durch die bewußte Wahl eines anderen Objektivs. Und es kann hilfreich , sich zu überlegen, welches Objektiv der andere gerade verwendet, damit dieser sich erinnert, dass sein Photoapparat auch noch andere Möglichkeiten hat. Damit verkörpert das Objektiv-Modell auch eine Ressourcenorientierung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele kreative Photosessions.

Ihr Uwe Straß

Impressum: Perspektive-Newsletter 12/2004, www.uwestrass.de/impressum.html


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